
„Das war eine schöne und lebendige Veranstaltung“, kommentierte eine Besucherin den Verlauf der Fachtagung „Lebenswege von Menschen mit Behinderung“ im Altstadtrathaus in Braunschweig. Einen Tag lang diskutierten über 160 Menschen mit Behinderung, Mitarbeitende, Vertreter aus Kommunen und Behörden, Angehörige und Betreuer auf Einladung der Evangelischen Stiftung Neuerkerode über die tägliche Herausforderung „Orte zum Leben“ zu entwickeln.
In seinem Vortrag hob Karl-Heinz Weigang, Leiter der SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth bei Gemünden am Main, die Elemente eines Ortes zum Leben hervor: "Heimat, Entwicklungsmöglichkeiten, Beziehungen, gute Rahmenbedingungen und Spiritualität sind notwendig, damit ein Ort zum Leben mehr als ein geografischer Begriff ist."
Die Leiterin der Abteilung Wohnen der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, Christiane Redecke, forderte in ihrem Vortrag die "Schaffung von alternativen Lebensräumen für Menschen mit Behinderung. Es geht darum, den Betroffenen Wahlmöglichkeiten anzubieten, wie Sie ihr Leben gestalten möchten."
Besonders beeindruckt waren die Teilnehmer vom Dokumentarfilm „Wir gehen unseren Weg…“ über die persönliche Lebensgeschichte und die Lebensumstände zweier Bürger Neuerkerodes. „Die authentischen Bilder und die Originaltöne zeigen mehr als jede theoretische Diskussion, wie Orte zum Leben in der Praxis funktionieren,“ meinte ein Zuschauer anschließend.
Auch bei der Vorstellung des Projektes „Lebensspuren“ kamen Bürgerinnen und Bürger Neuerkerodes zu Wort. In dem von der Neuerkeröder Erwachsenenbildnerin Regina Schultz betreuten Projekt konnten sie über ihre Träume, Wünsche und Probleme berichten. „Das wichtigste im Leben ist für mich Freiheit“ formulierte dabei ein Teilnehmer des Projektes.
Abgeschlossen wurde die Tagung durch den Vortrag von David o´Connor, Leiter der englischen Behinderteneinrichtung Hesley Hall in Yorkshire. Er referierte über das Spannungsfeld zwischen Schon- und Entwicklungsräumen bei der Betreuuung von Menschen mit "herausfordernden Verhalten". Dabei wurde deutlich, dass auch im europäischen Vergleich, bei allen länderspezifischen Unterschieden, viele Gemeinsamkeiten bestehen.
Für Direktor Rüdiger Becker war die Veranstaltung ein voller Erfolg: „Die Tagung hat gezeigt, dass es bei allen Menschen, ob behindert oder nicht, um die Kunst, sein eigenes Leben zu gestalten und damit um die Entwicklung eigener möglichst selbstbestimmter Lebensräume geht.“
Die Vorträge, soweit digital vorhanden, können Sie unten herunterladen.

Über 160 Teilnehmer diskutierten über "Lebenswege von Menschen mit Behinderungen" in Braunschweig

Darsteller und Produzenten des Films "Wir gehen unseren Weg"

Präsentation des Projektes "Lebensspuren"
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