Adam und Eva's Eltern hießen Gudrun und Wolfgang

Das Projekt TimeSlips fand jetzt im Anton Ulrich Museum (HAUM) in Braunschweig seinen Abschluss

"Also, Die Eltern von Adam und Eva lebten in einem Haus im Ausland. Dort ist es heiß. Deshalb sind Adam und Eva auch nackt." Es sind Assoziationen, die Menschen mit Behinderung aus Neuerkerode beim Betrachten des Bildes "Adam und Eva" (um 1515) von Palma il Vecchio hatten. Hier setzt das Konzept von TimeSlips an. In einer Zwischenpräsentation der bisherigen Arbeit erläuterten die Projektleiterinnen Regina Schultz (auf dem Foto rechts) und Simone Weiss den Hintergrund  ihrer Arbeit mit den Neuerkerödern oder alten Menschen mit einer Demenz, z.B. aus dem Altenheim Bethanien.

Was sehe ich in dem Bild, was entdecke ich? Hier ist der Phantasie keine Grenze gesetzt. Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, Menschen in dementieller Lebenssituation sehen ganz viel in den Bildern klassischer Meister und interpretieren und verknüpfen damit viel aus ihrer Biografiegeschichte. So kommt es zu einem ausgesprochen kreativen Geschichtenerzählen. Moderatoren helfen bei der Erinnerungsleistung, Schreiber notieren akribisch das assoziativ Gesagte, das sich schließlich zu einer Geschichte fügt. In Deutschland wird diese Methode noch relativ selten angewandt.

Eingebunden waren dabei auch Schülerinnen und Schüler der Neuerkeröder Fachschule für Heilerziehungspflege, die sich im Rahmen dieses Projektes, neben Modulen aus der TimeSlips-Technik auch mit Biografiearbeit auseinander setzten und vertraut machten. "Die Teilnehmenden kommen gern untereinander ins Gespräch, sie öffnen sich, erzählen aus ihrer Lebensgeschichte, vor allem, sie öffnen sich, in dem sie Gedanken und Gefühle assoziieren", berichtete Regina Schultz.

Schultz und Weiss sind mittlerweile in der TimeSlips-Methode zertifiziert und gehören damit zu den ganz wenigen Fachleuten in diesem Kommunikationsprojekt.

Für den Museumspädagogen  Dr. Sven Nommensen ist dies "eine spannende, eine gute Sache. Es hat sich gezeigt, wie die Gemälde unseres Hauses Einstieg für Geschichten sind. Geschichten voller Fantasie und leben." Dr. Andrea Hanke, Dezernentin der Stadt Braunschweig für Sozial-, Schul-, Gesundheits- und Jugendarbeit meinte, dass dieser außerschulische Lernort ein wichtiger Baustein auf dem Weg in der Inklusion sei. In wenigen Wochen wird ein Buch erscheinen, dass diese Projektarbeit mit Fotos des Braunschweiger Fotografen Klaus Kohn dokumentiert. Gefördert wurde das Projekt TimeSlips u.a. durch die Aktion Mensch. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem Pianisten Dr. med. Jan Behrens