Auftakt im Museum

Spannung, Aufregung, ein etwas ungewohnter Ort. Wunderschöne Bilder hängen an den himmelblauen Wänden, einige überlebensgroß. Sie sind Zeugen künstlerischen Schaffens aus einer anderen Zeit. Das Braunschweiger Herzog Anton Ulrich Museum ist seit dem 14. Januar regelmäßiger Treffpunkt von Bürgerinnen und Bürgern aus Neuerkerode, die sich an einem bisher einmaligen TimeSlips-Projekt beteiligen.

Foto: Klaus G. Kohn

Mit der TimeSlips-Methode entwickelt eine Gruppe von in der Regel demenziell erkrankten Menschen, unterstützt durch offene Fragen einer Moderatorin, eines Moderators, eine Geschichte zu einem Bild, das alle Beteiligten vor Augen haben. Die einzige Bedingung, die das Bild erfüllen muss, ist, dass darauf Personen zu sehen sind. Alle Äußerungen der Teilnehmenden werden aufgeschrieben, regelmäßig von der moderierenden Person wiederholt und abschließend zu einer Geschichte verbunden. Ausdrücklich nicht von Relevanz für die Anwendung der Methode ist die Biografie oder das Gedächtnis der Teilnehmenden. 

Neu an dem Projekt im HAUM ist, dass nicht ausschließlich Menschen mit Demenz, sondern Menschen mit einer geistigen Behinderung sich im Sinne inklusiver Erwachsenenbildung gemeinsam einen kulturellen Lern- und Lebensort erschließen. Begleitet werden sie von Regina Schultz und ihrem Team, das von Studierenden der Ostfalia Hochschule und Schülern der Fachschule für Heilerziehungspflege der Evangelischen Stiftung Neuerkerode unterstützt wird. Durch die TimeSlips-Methode werden die Teilnehmenden methodisch fundiert zu kreativem und reflektiertem Denken, selbständigem und eigenverantwortlichem Handeln und zu kultureller Teilhabe motiviert und in ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Das zum Auftakt besprochene Gemälde „Verkündung der Hirten“ des italienischen Künstlers Matteo Gilarte (1615-1675) erzeugte bei den Teilnehmenden großes Interesse und ließ ihnen Raum für freies Assoziieren, was eine Fülle von Interpretationen zu Tage förderte. In einem schien sich die Gruppe letztlich einig. „Da ist was passiert… Ja, der Engel kam vom Himmel hoch runter, um die Hirten zu beschützen.“ Und so, mit der Wiederholung der entstandenen Geschichte, wird die nächste Veranstaltung beginnen, bevor man sich einem neuen Kunstwerk zuwendet. Das Projekt wird gefördert von der Aktion Mensch und der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.