Biografiearbeit zwischen Frank Sinatra und Blumentapeten

Ein neuer Seniorentreff wurde jetzt in der Tagesförderung (TGF) eröffnet

In der Neuerkeröder Tagesförderung (TGF) für Senioren werden Menschen mit Behinderung im Rententenalter  betreut. Jetzt wurde eine neue Gruppe eröffnet.

Gemeinschaftsräume und eine offene Küche stehen den 18 Senioren dieser neuen Gruppe zur Verfügung: Zeitunglesen, Plaudern, Tanzen und Bewegung, Ausflüge planen, puzzeln, Musikhören schafft einen Alltag, der soziale Teilhabe ermöglicht. Aber das ist nicht alles: In den Räumen lebt der Geist der 50er Jahre. Kindheit und Jugend sind Dinge, die Senioren oft bewegen, im wahrsten Sinne des Wortes, mobilisieren. Und plötzlich wird der Alltag jener Kindertage wieder lebendig, an die Küche, das Wohnzimmer, damals zuhause an das Geschirr auf dem Tisch und die Musik vom Radio. Die Räume in der ehemaligen Neuerkeröder Wäscherei lassen in die Zeit der Petticoatkleider, der porzelanernen Kaffeefilter, der Rauchverzehrer, Gummibäume und Cocktailsessel, Aufschnittplatten und Brotkörbe des Wirtschaftswunderzeitalters versinken. Selbst die großmustrigen Tapeten passen zum Stil. Und natürlich die Schallplatten: Peter Kraus, Frank Sinatra, Elvis Presley, die Capri Fischer von Rudi Schurike oder von Manuela, Schuld war nur der Bossa Nova. Erinnerungskultur und Biografiearbeit wird in der Senioren-TGF ganz groß geschrieben.

Der Leiter der Neuerkeröder TGF, Andreas Steffens: „Sehnsucht nach einem ruhigen Lebensfluss haben wir alle, die Realität sieht aber oft anders aus. Was bleibt, ist die Erinnerung von Lebensbildern.“

Es ist schön, dass es hier so ist, wie früher, sagt Elke Nattermüller (Foto). Die 65-jährige, die mit neun Jahren nach Neuerkerode kam, kann sich noch gut an die 50er erinnern.