Gestalten nach eigenen Wünschen und Vorstellungen

Peter Lenhard lebt für seinen Waldgarten

Peter Lenhard ist Neuerkeröder Urgestein. Auf die Frage, wie lange er schon in der Evangelischen Stiftung lebe, antwortet der jetzt 50-jährige „Eigentlich mein ganzes Leben lang. Naja, eigentlich ist Neuerkerode mein ganzes Leben.“ 

Als 19-jähriger ist er einmal nach Neuerkerode gekommen. Der Ort ist ihm wichtig, sein Zuhause geworden. Geboren ist er in der Nähe von Hanau. Peter Lenhard gehört zu den Menschen in Neuerkerode, die sehr selbständig sind, aber auch ein hohes Maß an Selbständigkeit beanspruchen. Er ist ein kritischer Mensch, fragt und hinterfragt, er ist unbequem und macht sich damit auch manchmal selbst das Leben schwer. 

„Ich würde mir schon zutrauen, in einem Appartement in Braunschweig oder Wolfenbüttel zu leben, wie es anderen Neuerkerödern auch angeboten wird, aber was soll ich da? Auf einem Balkon sitzen?“ Wie zum Beweis öffnet er das Tor zu seinem Garten. Und da ist man sofort in einer Idylle, in seiner Welt. Nein, kein Gemüsegarten, kein Blumengarten, kein Bauerngarten: Es ist ein Waldgarten mit Ahornbäumen und Fliederbüschen und Pflaumen. Man hat den Eindruck, hier leben mehr Vögel, als sonst wo in Neuerkerode.

Übrigens, genau an der Stelle, wo heute Peter Lenhard seinen Waldgarten pflegt, war vor gut hundert Jahren der Spielplatz des Schulmädchenhauses Sarona, das 1902 neben dem Schulknabenhaus als Förderschulinternat für das gesamte Herzogtum eingerichtet wurde.

An den selbstgepflasterten Wegen, wo im Jahr 1909, als das Foto entstand, die Kinder spielten, stehen heute Tomatenstauden und andere Gewächse. Ein wildwüchsiger Garten, behutsam gestaltet. In der Mitte ein großer Teich, der von einem Brunnen gespeist wird. In einem Blockhaus wohnt und schläft Peter Lenhard, bekocht sich, wenn er keine Lust hat, in seinem Apartment in Neuerkerode den Sommer zu verbringen. Jahrelange, jahrzehntelange Eigenarbeit hat es bedeutet, bis der Garten so gestaltet war, wie er jetzt wirkt: Wild und frei, behutsam geformt und angelegt und ständig begleitet.

Als er Brunnen und Teich vor vielen Jahren gegraben habe, sagte er, „Da hat mir ein Mitarbeiter geholfen, der längst gestorben ist. Es ist ein schönes Andenken an ihn. Hier lebt er für mich weiter.“ 

Nach einem Sturz ist Peter Lenhard in Frührente gegangen. Jetzt lebt er für seinen Garten und in seinem Garten. "Hier bin ich vom Frühjahr bis zum Winter in Aktion", erzählt er, „Aber hier genieße ich auch meine Ruhe. Ich schaue mir die wilden Kaninchen an, wie sie zwischen dem Grün hoppeln und höre den Vögeln zu.“

Überall entdeckt man in seinem Waldgarten Vogelnester und sorgsam gepflegte Pflanzen. Die sensible Seite in dem Mann, der sonst so raubeinig wirken kann. „Mein Leben das ist hier. Hier kann ich gestalten, nach meinen Vorstellungen und Wünschen. Das ist gut. Das tut gut. Hier will ich nicht weg. Glaubst du mir das!?“, sagt er beim Rausgehen aus seinem Garten. Ja, man muss es ihm glauben. Auf’s Wort.