Stimmen der Namenlosen

Bis zum 9. Oktober wird auf dem Alten Kreuz-Friedhof unmittelbar am Maria-Stehmann-Haus in der Braunschweiger Freisestraße eine Klanginstallation begehbar sein.

Der Friedhof des ehemaligen Kreuzklosters, Convent St. Crucis, der sonst nicht der Öffentlichkeit zugänglich ist, strahlt eine nahezu verwunschene  Atmosphäre aus. Das Kloster und sein Friedhof bestanden von 1230 bis 1945. Ein schwerer Bombenangriff zerstörte das Kloster völlig. Die letzte Beerdigung fand im April 1945 auf dem Friedhof statt. 

Der in Stuttgart und Ravensburg lebende Künstler Kristof Georgen (auf dem Foto) hat diesen urwüchsigen Friedhofspark für ein Kunstevent für sich entdeckt. Im Rahmen des dritten Klangparcours, den der Allgemeine Konsumverein Braunschweig organisiert, hat er dort ein künstlerisches Spannungsfeld zwischen Realität und Imagination aufgebaut.

„Die Menschen, die Personen hier, an die kaum mehr etwas erinnert, sind wie eine kleine Gesellschaft begraben“, sagt Georgen. „Es gibt keine Lebensläufe von ihnen, aber ich möchte sie stimmhaft machen.“

Es begegnen sich die in einem Tonstudio aufgezeichnete Stimme des braunschweigischen Countertenoras Daniel Gloger und symbolische Stimmgeräusche der hier Begrabenen. Eine Solostimme und ein Chor der Stimmen. Sprache und ihr Echo. So begegnen sich Texte aus dem Kapitel, das sich im Ulysses von James Joyce mit Musik und Stimme befasst und Texte aus Ovids Metamorphosen, in denen Narziss auf Echo trifft.

Die Stimme aus dem kleinen Haus im Baum und der Stimmenchor aus den am Boden auf Stativen verstreut stehenden, leicht geneigten Amphoren werden zu einem Sprachrohr, zur Hülle der Stimmen der Namenlosen.