Mechanische Nähe – Neuerkeröder testen Roboter-Robbe

Ostfalia Hochschule stellt Roboter vor, der zu Pflegezwecken eingesetzt wird.

Streicheleinheiten für die Roboter-Robbe. Eine Bürgerin aus der Wohngruppe Ohe 3 gefällt der Kontakt.

Robbie lässt es sich heute gut gehen in Neuerkorde. Die Robbe klimpert zufrieden mit ihren dunklen, großen Augen und hebt den  Kopf. „Du bist ein Lieber“, sagt ein Bewohner des Dorfes und streichelt der kleinen, weißen Robbe, die es sich auf seinem Schoß  gemütlich macht, über das Fell. Er hat dem Tier auch seinen Namen gegeben. Allerdings ist Robbie keine echte Robbe, sondern ein Therapieroboter, der heute zu Gast ist bei der Wohngruppe Ohe 3 in Neuerkerode und derzeit von der Arbeitsgruppe „Geistige Behinderung und Demenz“ von Prof. Sandra Verena Müller der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaft in Wolfenbüttel erprobt wird.

„Wir wollen untersuchen wie Menschen mit Demenz und geistigen Behinderungen auf die Betreuungsrobbe reagieren“, sagt Dr. Bettina Kuske, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Soziale Arbeit, die das Projekt mitbetreut. Noch stünde die Untersuchung ganz am Anfang. Doch Dr. Kuske gefällt, was sie in Neuerkerode beobachtet, während ihre Kollegin Dagmar Specht  etwa acht Bewohnern die Therapierobbe vorstellt. „Schau mal wie kuschelig die ist“, sagt sie. Eine Bewohnerin streckt vorsichtig ihre Hände nach dem Roboter aus: „Ei, ei, ei“. Dann ein Küsschen, ein strahlendes Lächeln.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass die von einem Japaner entwickelte Betreuungsrobbe „Paro“ funktioniert, so Dr. Kuske. „Sie soll soziale Interaktion und Sozialverhalten fördern, beruhigend wirken, Freude und Nähe schaffen und so die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und geistigen Behinderungen  steigern.“  Die Sensoren der Roboter reagieren auf Licht, auf Sprache, auf Temperatur und darauf, wie die Robbe gehalten wird. „Wenn jemand sie grob anfasst, vibriert sie“, berichtet Dr. Kuske.

Doch manche Bewohner in Neuerkerode sind auch skeptisch. Eine blinde Frau im Rollstuhl mit schwerer Mehrfachbehinderung windet sich, als Dagmar Specht ihr mit der Robbe nahekommen will. „Ich glaube, sie empfindet die Laute des Tieres als Gejammer, denkt vielleicht, die Robbe quält sich und leidet mit“, mutmaßt Michaela Fritz, Mitarbeiterin in der Wohngruppe Ohe 3.  Für Bewohner, die etwas fitter sind, könnte der Roboter sinnvoll sein, meint sie aber dennoch: „Mit so einer Robbe hätten sie eine Aufgabe, würden sich kümmern. Das würde manchen Bewohnern sicher gut tun.“ Dann blickt sie den Neuerkeröder Bewohner an, der der Roboter-Robbe ihren Namen gegeben hat. „Du würdest Robbie doch sofort nehmen, oder?“ Die Antwort ist kurz, und lässt die Augen des Bewohners leuchten: „Oh ja!“