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Entwicklung des Konzeptes "Ein Ort zum Leben"

Dr. Christian Gaedt
Dr. Christian Gaedt

In der Auseinandersetzung mit der Programmatik und der Realität von Normalisierung und Integration entwickelte der Psychiater und Psychotherapeut Dr. Christian Gaedt zusammen mit anderen, insbesondere mit ehemaligen Direktor der Evangelischen Stiftung Neuerkerode Joachim Klieme und dem Psychologen Detlef Gärtner, ein Reformkonzept, das das Ziel hatte, die Inhumanität der Großeinrichtungen als "totale Institutionen" zu überwinden.

Er gab diesem Konzept den Namen "Ort-zum-Leben". In vielen Vorträgen und Publikationen vertiefte er die Begrifflichkeit dieses Konzeptes und erarbeitete eine sozial-psychologische  Grundlage. Unvermeidbar war dabei eine kritische Auseinandersetzung mit der Medizin bei der Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung. Dies war ein weiterer Schwerpunkt seiner theoretischen Arbeit. Hier sah er die Notwendigkeit einer radikalen Zurückdrängung der Medizin - und insbesondere der Psychiatrie  - aus dem Alltag der Menschen mit geistiger Behinderung. Wegen der vielen Gesundheitsrisiken dieser Personengruppe und der unzureichenden Kompetenz der Regelversorgung forderte er allerdings eine spezielle ärztliche Qualifikation, etwa nach englischem Modell, und für spezielle ärztliche Fachdienste.

Er setzte sich früh mit dem Problem der "dual diagnosis" auseinander. Dies war ein dritter Interessenschwerpunkt. Basierend auf der psychoanalytische Entwicklungstheorie entwickelte er Grundlagen für das Verständnis von psychischen Auffälligkeit bei Menschen mit geistiger Behinderung  und für eine psychodynamisch orientierte Diagnostik und Therapie, die in einem schroffen Gegensatz zu der im Behindertenbereich vorherrschenden verhaltenstherapeutischen Sichtweise stand.

Diese Themen hat Dr.Gaedt in vielfältigen Vorträgen und Veröffentlichungen bearbeitet und so einen speziellen Beitrag zur laufenden Reformdiskussion geleistet. Eine Liste der Publikationen ist auf der Homepage von Dr. Christian Gaedt einsehbar: www.christian-gaedt.com. Hier können die einzelnen Arbeiten auch herunter geladen werden.

Ein aktueller Beitrag zur Konzeptdiskussion ist der folgende Vortrag, gehalten am 2. Februar 2007 anlässlich der 2. Leitungstagung der Evangelischen Stiftung Neuerkerode im Kloster Drübeck, den Sie hier herunterladen können...

In seiner Neuerkeröder Zeit war Dr. Gaedt Mitglied im Erweiterten Vorstand des Verbandes Evangelischer Einrichtungen für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung (VEEMB), Mitglied im Erweiterten Vorstand der European Association for Mental Health in Mental Retardation (EAMHMR) sowie Mitglied in der Redaktion der Fachzeitschrift Journal of Intellectual Disability Research (JIDR). Von der Medizinischen Hochschule Hannover erhielt er einen Lehrauftrag zu dem Thema "Geistige Behinderung und psychische Störungen". Er gründete den Internationalen Gesprächskreis "Orte-zum-Leben". Er war Initiator der internationalen Konferenzen "Psychisch krank und geistig Behindert", 1992, in Königslutter und "Places to live outside the mainstream" ,1994, in Blankenberge, Belgien, der Konferenz "Ins Abseits? Lebenslang?", 1998, in Braunschweig sowie der "Neuerkeröder Foren" und der "Neuerkeröder Beiträge".


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