Neurofeedbackverfahren bei Menschen mit Behinderung

Die eigene Hirnaktivität durch operante Konditionierung willentlich zu steuern, konnte erstmals 1970 durch Nowlis, D.P. et al. gezeigt werden. Ob dies auch bei kognitiv eingeschränkten Menschen mit ausgeprägten Behinderungen möglich ist, ist bisher nur wenig untersucht worden. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs von der Universität Hildesheim, Arbeitsgruppe Neurodidaktik im Fachbereich Psychologie, haben wir seit 2013 in unterschiedlichen Fragestellungen versucht, dieser Frage nachzugehen.

Mit insgesamt 5 Kindern und jungen Erwachsenen (5 – 22 Jahre) aus dem Haus Arche, einer Spezialpflegeeinrichtung für beatmete, schwerstmehrfach behinderte Menschen der Diakonie Himmelsthür in Hildesheim-Sorsum, wurde unter Einsatz von Neurofeedback-verfahren versucht, eine verbesserte Kommunikation zwischen den Patienten und ihrem Umfeld zu erreichen. Ziel war es, Patienten, die sich nicht verbal äußern können, mit Hilfe von Neurofeedbackverfahren durch willentliche Kontrolle der eigenen Hirnaktivität die Kommunikation mit ihrem Umfeld zu ermöglichen.

Eine notwendige Grundlage für den Einsatz von Neurofeedbackverfahren ist die Erzeugung und Messung von sichtbaren Differenzen im Muster hirnelektrischer Aktivität. Hierzu wurde bei den Patienten ein Neurofeedback der Hirnaktivität mit visuellen Reizen erzeugt. Dabei zeigte sich, dass kognitiv eingeschränkte Menschen Neurofeedback erlernen können. Der Abruf der Fähigkeiten gelingt jedoch nicht immer zuverlässig. Die Methode benötigt viel Zeit, aber ist in der Lage, Menschen, die sich nicht verbal ausdrücken können und ihre motorischen Fähigkeiten verloren haben, ein Mehr an Teilhabe und Lebensqualität zu ermöglichen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Ansatz, Neurofeedbackverfahren in der Kommunikation einzusetzen, bei dieser Patientengruppe, gemessen an den Erfolgen, trotz des hohen Aufwandes lohnt. Daher sollte der Einsatz von Neurofeedbackverfahren weiter erforscht werden, um möglichst vielen Menschen mit schweren Behinderungen und kommunikativen Einschränkungen Teilhabe am Leben zu ermöglichen.

Dr. Hans Ulrich Peltner

Hier finden Sie das Abstract als PDF.