Ein Jahr MZEB Braunschweig

Vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention wurde 2015 die Möglichkeit einer spezialisierten Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderung geschaffen. Als eines der ersten Medizinischen Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB) nach §119c SGB V hat das MZEB Braunschweig seine Tätigkeit 2017 aufgenommen. Mit seinem psychiatrisch-neurologischen Schwerpunkt versorgt es seither den Raum Süd-Ost-Niedersachsen. Zugang zum MZEB haben Patienten mit einem Grad der Behinderung von ≥ 70%, einem Merkzeichen und einer spezifischen Diagnose, beispielsweise der einer Intelligenzminderung. Betrachtet man das erste Betriebsjahr waren die meisten Patienten des MZEB zwischen 20-40 Jahre alt, besonders viele davon im frühen Erwachsenenalter. Es zeigte sich auch, dass in der Regel eine interdisziplinäre und multiprofessionelle Versorgung notwendig war. Durchschnittlich kam auf eine psychiatrische Vorstellung bei der Mehrzahl der Patienten eine psychologische und bei etwa der Hälfte eine neurologische Vorstellung hinzu. Des Weiteren wurden Assessment-, Verwaltungs- und Heilmittelleistungen regelhaft in Anspruch genommen. Aufgrund der Fallschwere war meist mehr als eine Vorstellung pro Quartal notwendig. Die häufigsten psychiatrischen Diagnosen lagen aufgrund der Zugangskriterien in der Diagnosengruppe der Intelligenzminderung (F70-79), gefolgt von neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen (F40-F48), affektiven Störungen (F30-F39) und Entwicklungsstörungen (F80-F89). Neurologisch waren die meisten Patienten von episodischen und paroxysmalen Krankheiten des Nervensystems (G40-G47), also im Wesentlichen von Epilepsien, betroffen. Zusammenfassend zeigte sich an der Art der Inanspruchnahme, dass MZEB mit ihrer spezialisierten, interdisziplinären und multiprofessionellen Arbeitsweise einen wesentlichen Beitrag für die Gesundheit von Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen leisten und somit ihren SGB V Auftrag voll erfüllen.

Dr. Michael-Mark Theil

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