Die Geschichte der MZEB

Seit Mitte der 1990er Jahre diskutierten die Fachverbände für Menschen mit Behinderung - früher Fachverbände der Behindertenhilfe - die Unzulänglichkeiten der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung und suchten nach Lösungen für die vielgestaltigen Probleme auf diesem Gebiet. Ende der 1990er Jahre standen die Grundlinien der Positionierung fest. Zum einen ging es um die Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Regelversorgung, aber auch um die Ergänzung derselben um Spezialangebote für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Im ambulanten Sektor sollten in Analogie zu den Sozialpädiatrischen Zentren für Erwachsene entsprechende  Angebote etabliert werden können.  Die Positionen wurden publiziert, und eine engagierte und  unablässige Lobbyarbeit mit Vertretern der Gesundheitspolitik und Gremien der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen auf verschiedenen Ebenen begann. Ein erster greifbarer Erfolg war die Einfügung des § 2a in das SGB V: „Den besonderen Belangen behinderter und chronisch kranker Menschen ist Rechnung zu tragen.“ Die wichtige Forderung nach ambulanten Spezialangeboten konnte erst mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vom 16.7.2015 verwirklicht werden, indem der § 119c in das SGB V eingefügt wurde. Er regelt die Zulassungsvoraussetzungen  und Arbeitsinhalte der Medizinischen Behandlungszenten für Erwachsene mit Medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen, (MZEB). Die Fachverbände publizierten eine Rahmenkonzeption für solche MZEB und stimmten sich dazu mit anderen Akteuren der behindertenmedizinischen Versorgung ab.

Seither haben viele Träger Antrage auf Zulassung gestellt. Nach anfänglichem Widerstand der Zulassungsausschüsse und vor allem der Krankenkassen haben mittlerweile viele Träger ihre Zulassung erhalten, oft fehlt es noch an Vergütungsvereinbarungen. Exakte Zahlen liegen leider derzeit nicht vor.

Prof. Dr. Michael Seidel

Ärztlicher Direktor a.D. des Stiftungsbereichs Bethel.regional, von Bodelschwingschen Stiftungen Bethel

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