Älter werden mit geistiger Behinderung – Gesundheit, Wohnen, Freizeit

In den letzten Jahren ist die Lebenserwartung von Personen mit geistiger Behinderung erheblich gestiegen. Laut Dieckmann und Metzler (2013) ist es in den letzten Jahrzehnten zu signifikanten Verbesserungen der durchschnittlichen Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung gekommen ist, diese ist aber abhängig vom Geschlecht und der Schwere der geistigen Behinderung sind. Die mittlere Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung unterscheidet sich jedoch weiterhin deutlich von der der Allgemeinbevölkerung.

Dies bedeutet, dass wir in absehbarer Zeit mehr ältere behinderte Menschen mit einem erhöhten pflegerischen Versorgungsbedarf haben werden. Jedoch liegen bislang kaum Erkenntnisse und Erfahrungen zu Bedarfslagen und pflegerischen Bedürfnissen älterer Menschen mit Behinderung vor. Grundsätzlich ist jedoch davon auszugehen, dass deren gesundheitliche Probleme und ihr Versorgungsbedarf zumeist unterschätzt werden, da diese Menschen ihre Gesundheitsprobleme nicht gut mitteilen können. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlinterpretation vorhandener Gesundheitsprobleme. Weiterhin nehmen mit der gestiegenen Lebenserwartung die alterskorrelierten Erkrankungen wie beispielsweise Demenz zu.

Die bedeutsamen Fortschritte in der medizinischen Versorgung und die stark auf Förderung ausgerichtete Begleitung haben gerade dieser Gruppe ganz neue Lebensperspektiven ermöglicht. Die veränderte Altersstruktur mit all ihren Konsequenzen stellt die Behindertenhilfe aktuell vor neue Aufgaben und Herausforderungen. Diese betreffen den Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand, die Gestaltung des Ruhestandes sowie Fragen nach einer geeigneten Wohnform, die den veränderten Bedürfnissen entspricht. Darüber hinaus wird es notwendig altersangemessenen Formen der Freizeitgestaltung zu entwickeln, die die Balance halten zwischen Aktivierung und dem Bedürfnis nach Ruhe.

Prof. Dr. rer. nat. habil. Sandra Verena Müller

Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel, Fakultät Soziale Arbeit

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