Straßensozialarbeit Wolfenbüttel

Was wir für Sie tun

Seit August 2020 fördert die Stadt Wolfenbüttel eine 0,5 Personalstelle für Straßensozialarbeit, um die suchtmittelabhängigen Menschen zu erreichen, deren zentraler Sozialisations- und Lebensort die Straße ist. Diese Menschen machen aus den verschiedensten Gründen von bestehenden Hilfsangeboten trotz gravierender Notlage kaum oder keinen Gebrauch. Die Aufgabe der Straßensozialarbeit besteht darin, den Betroffenen durch aufsuchende Arbeit eine besonders niedrigschwellige Kontaktstelle für weiterführende Hilfsangebote zu bieten. Hierdurch soll es ermöglicht werden, ungünstig verlaufende Lebensbiografien positiv zu beeinflussen und den Klient:innen Beratung, Hilfe, Begleitung und Unterstützung bei ihren Problemen anzubieten. Es werden gemeinsam mit ihnen Perspektiven entwickelt, um persönliche Krisen zu überwinden, die materielle Grundversorgung abzusichern und existentielle Bedrohung abzuwenden.

Eine weitere Aufgabe der aufsuchenden Arbeit besteht in dem Verteilen von Informationsmaterial sowie sterilen Konsumutensilien und auch Kondomen. Hierdurch soll der Verbreitung von Krankheiten wie Aids und Hepatitis vorgebeugt werden. Wir arbeiten eng mit Kooperationspartnern wie der AIDS-Hilfe, JES und ProFamilia zusammen, welche entsprechende Materialien bereitstellen.

Langfristige Zielsetzungen der Straßensozialarbeit sind zum einen die Verbesserung der sozialräumlichen Lebenswelt, hiermit ist die Förderung der Akzeptanz gegenüber der Szene innerhalb der Bevölkerung gemeint. Zum anderen sind die Erweiterung individueller Handlungskompetenzen und Ressourcen ein wesentliches Anliegen. Dazu zählen die Entwicklung und Erweiterung von Kompetenzen, die eine autonome und mündige Lebensplanung innerhalb gesellschaftlicher Normen und Strukturen ermöglichen. Dabei wird der akzeptierende Ansatz verfolgt.

Ein besonderer Fokus liegt zudem auf der Stärkung von Frauen innerhalb der Szene. Hinzu kommt schließlich das übergeordnete Ziel der sozialen Teilhabe. Gesellschaftliche Benachteiligungen und Diskriminierungen sowie besondere Belastungen sollen abgebaut oder ausgeglichen werden. Zur Erreichung dieser Ziele besteht die unbedingte Notwendigkeit einiger grundlegender Arbeitsprinzipien, denn Straßensozialarbeit hat nichts mit „Kontrollgängen“ zu tun. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Menschen ist nur auf der Grundlage von Freiwilligkeit möglich. Daher sind Aufbau und Pflege von tragfähigen Beziehungen zu den Betroffenen und die beidseitige Akzeptanz eine wichtige Voraussetzung der Straßensozialarbeit.

Den Betroffenen muss darüber hinaus die Möglichkeit gegeben werden, das Angebot anonym annehmen zu können. Die Dokumentation der persönlichen Daten beschränkt sich daher auf ein Minimum. Das Angebot kann ohne Vorbedingungen und Vorleistungen in Anspruch genommen werden und ist für die Zielgruppe leicht zugänglich und erreichbar. Der Zugang zu den Betroffenen gelingt hierbei über die Akzeptanz und Annahme ihrer individuellen Vorstellungen, Lebensentwürfe und Bewältigungsstrategien, welche in die Lösung der Problemlagen einbezogen werden sollen. Die Selbstbestimmung des Einzelnen steht hierbei im Vordergrund.