Gedenktag für Drogentote

Die Fachambulanz der Lukas-Werk Gesundheitsdienste in Peine und die ebenfalls in der Stadt ansässige Selbsthilfegruppe jes beteiligen sich an dem diesjährigen bundesweiten Gedenktag für Drogentote

Der Tag der Drogentoten findet am 21. Juli 2019 statt.
Am Tag darauf, am 22. Juli 2019, informieren Mitarbeitende beider Einrichtungen in der Peiner Fußgängerzone (an der St. Jakobi-Kirche, Breite Str. 13/14) und stellen unter anderem Gedenktafeln und Holzkreuze auf. „Damit wollen wir auf die schwierige Situation von Drogenkonsumenten aufmerksam machen“, sagt Meike Rösemann, Einrichtungsleiterin der Fachambulanz des Lukas-Werkes in Peine.

Bundesweit wurden laut Marlene Mortler (ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung) im vergangenen Jahr 1.272 Drogentote durch den Konsum von illegalen Drogen wie Heroin, Kokain und anderen Rauschgiften verzeichnet, in Peine kam 2018 ein Mensch durch Drogenkonsum ums Leben.

Zurzeit gibt es in der Stadt keine Anlaufstelle für Drogenabhängige aus dieser Szene, weil der Tagestreff des Lukas-Werkes nach einem Wasserschaden im April 2018 geschlossen werden musste. „Das hat unsere Arbeit sehr erschwert“, sagt Stefan Ritschel von der Selbsthilfegruppe jes-Peine. Seitdem kam und kommt dem installierten Spritzenautomaten eine größere Bedeutung zu. „Die Benutzung des Automaten hat sich verdoppelt. Drogengebraucher haben dabei die Möglichkeit, anonym sterile Spritzen zu nutzen, so dass Erkrankungen wie Hepatitis und HIV verhindert werden können.“ Der Wegfall des Tagestreffs stellt die Arbeit in der Psychosozialen Betreuung für die Drogenabhängigen vor neue Herausforderungen, berichtet auch die Einrichtungsleitung der Lukas-Werk Fachambulanz Peine. „Viele Klienten sind nur schwer zu erreichen. Die Drogenszene selbst hat sich verändert. Jeder geht noch seinen Weg. Die Außenstelle hat den drogengebrauchenden Menschen auch eine Tagesstruktur gegeben“, so Rösemann.

Hintergrundinformationen des Bundesverbandes jes

Der Aktions-, Trauer- und Protesttag zum Gedenken an Drogentote steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gesundheit und Überleben gibt es nicht zum Nulltarif“.Mit diesem Thema will der jes-Bundesverband am 21.Juli 2019, dem Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen, auf die stetige Ausdifferenzierung der Angebote kommunaler Suchthilfe aufmerksam machen, die seit vielen Jahren – ohne eine entsprechende Aufstockung der Mittel – erwartet wird. Auch die ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Marlene Mortler, macht auf dieses Missverhältnis aufmerksam.

Ohne die entsprechenden kommunalen Mittel werden z.B. dringend erforderliche und erfolgreiche Beratungs- und Testangebote für HIV und Hepatitis C nach dem Ende der Modellphase wieder eingestellt. Zudem gerät der dringend benötigte Ausbau eines ausdifferenzierten Hilfesystems vom niedrigschwelligen Angebot, über aufsuchende Angebote bis hin zu neuen Beratungsangeboten für Konsument*innen von neuen psychoaktiven Substanzen sowie im Kontext von Chemsex ins Hintertreffen. Selbst dringend erforderliche Fortbildungsangebote für Mitarbeiter*innen können vielfach nur im beschränkten Umfang stattfinden. Die Gründe hierfür sind unter anderem fehlende finanzielle Mittel sowie eine dünne Personaldecke.

Die kommunale Suchthilfe benötigt schon lange eine bessere finanzielle Ausstattung, um den aktuellen Gegebenheiten und Anforderungen mit hoher fachlicher Qualität, hinreichend Zeit und angemessener Empathie begegnen zu können.

Die wichtige Arbeit vor Ort in den Beratungsstellen und Anlaufzentren sollte insgesamt mehr geschätzt werden. Sie vermag den Drogengebrauchenden nicht nur auf mannigfaltige Weise eine unmittelbare und daher zeitnahe Hilfe bei akuten Problemlagen zu ermöglichen. In diesen Einrichtungen entwickeln sich darüber hinaus oftmals auf positive Weise soziale Treffpunkte für ansonsten gesellschaftlich weitgehend ausgestoßene Menschen. Im Idealfall entsteht dann – zumindest zeitweise – ein Klima zwischenmenschlicher Wärme. Ein Ort zum Innehalten, zum Erholen, der Information und Hilfe.