Geldscheine schreddern, Lebensträume platzen lassen

Lukas-Werk in Braunschweig beteiligt sich mit ungewöhnlicher Aktion am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht.

Auf dem Braunschweiger Kohlmarkt werden am 25. September 2019 Geldscheine geschreddert. Damit beteiligt sich die Fachambulanz Braunschweig der Lukas-Werk Gesundheitsdienste GmbH am diesjährigen bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht und will auf die hohen Summen aufmerksam machen, die täglich beim Glücksspiel sinnlos verspielt werden. „Alleine an niedersächsischen Geldautomaten sind das pro Jahr etwa 530,1 Mio. Euro. Das bedeutet 1,5 Millionen Euro pro Tag“, sagt Christian Horn, Sozialpädagoge/Sozialarbeiter und Präventionsfachkraft in der Lukas-Werk Fachambulanz Braunschweig. Für Braunschweig weist Horn darauf hin, dass die Spieleraufwendungen (Einsätze) an Geldspielautomaten in den letzten zehn Jahren von 10 auf knapp über 26 Millionen Euro, und damit um mehr als 160%, gestiegen sind (vgl. Trümper-Studie 2018; Arbeitskreis gegen Spielsucht e.V.).

Im Rahmen des Aktionstages gegen Glücksspielsucht gehen jedes Jahr Präventionsfachkräfte der Suchthilfe im gesamten Bundesgebiet auf Menschen zu, um über die Gefahren des Glücksspiels aufzuklären, Informationsmaterial zu verteilen und mit ungewöhnlichen Aktionen zu überraschen.

Die Aktion in Braunschweig findet statt:

Datum: 25.September 2019
Uhrzeit: 9 bis 16 Uhr
Ort: Kohlmarkt Braunschweig

Die Fachambulanz der Lukas-Werk Gesundheitsdienste GmbH in Braunschweig ist Anlaufstelle bei Suchtfragen aller Art für Erwachsene und bietet Prävention, Beratung und Rehabilitation so wie ambulant betreutes Wohnen an. Das Forum Glückspiel bietet Interessierten die Möglichkeit, sich unter Anleitung einer Fachkraft immer donnerstags zwischen 17 und 18 Uhr zu informieren und auszutauschen (Peter-Joseph-Krahe-Str.11, 38102 Braunschweig). Über das Online-Portal www.netzwerksucht.de und eine App für das Smartphone (AddictoBS) können Betroffenen anonym Hilfen in Anspruch nehmen. 


Darüber hinaus können junge Erwachsene und deren Angehörige auch bei der Clear - der Außenstelle der Drobs Braunschweig (Juliusstraße 2) -  Unterstützung und Beratung erhalten, mit der das Lukas-Werk in Braunschweig beim Thema Glücksspielsucht kooperiert.

Hintergrundinformationen der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen (NLS) zum bundesweiten Aktionstag gegen Glückspielsucht

Um auf das hohe Suchtpotenzial von Glücksspielen aufmerksam zu machen, haben sich die Bundesländer darauf verständigt, einmal im Jahr den bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht durchzuführen. In diesem Jahr steht der Aktionstag unter dem Motto „Schreddern wäre eine Alternative“. Plakativ werden nicht nur Geldscheine geschreddert, sondern auch Lebensträume, die aufgrund einer Glücksspielsuchtproblematik verloren gehen.

Die Glücksspielproblematik wird immer noch mit ihren Risiken verkannt. „Die Zahlen der Glücksspielabhängigen sind besorgniserregend und erfordern ein breites Beratungs- und Behandlungsangebot für Betroffene und deren Angehörige“, sagt Martina Kuhnt von der NLS. In Niedersachsen können rund 51.000 Männer und Frauen als glücksspielsüchtig bzw. –suchtgefährdet bezeichnet werden. Die Fachkräfte berichten von Erwachsenen, die bereits im Jugendalter mit dem Glücksspiel begonnen haben, obwohl es in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt ist.

Die Wissenschaft weist den verschiedenen Glücksspielformen unterschiedliche Suchtpotentiale zu. So sind beispielsweise Geldspielgeräte in Spielhallen und gastronomischen Betrieben besonders risikoreich, was sich auch in der Beratungspraxis abbildet: Über 80 Prozent der Personen, die aufgrund einer Glücksspielproblematik in die niedersächsischen Beratungsstellen kommen, sind von Geldspielautomaten abhängig (nur ein geringer Teil spielt online) und haben dabei nicht nur die Kontrolle über das Glücksspiel verloren. Das verspielte Geld und die Konsequenzen daraus haben bereits viele Familien ruiniert. Sie leiden unter den weitreichenden negativen psychosozialen und materiellen Folgen wie hohen Spielschulden, wirtschaftlicher und sozialer Notlage bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes. Allein im Jahr 2018 haben sich in Niedersachsen mehr als 1.400 Glücksspielsüchtige und ihre Angehörigen in den Suchtberatungsstellen beraten lassen.