Rückblick - Fachkongress zur medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderung

Drei Fragen an Dr. Michael-Mark Theil, Initiator des Kongresses, Chefarzt des MZEB in Braunschweig und Strategievorstand der Evangelischen Stiftung Neuerkerode

Welches Fazit ziehen Sie als Initiator des ersten Fachkongresses zur medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderung in Braunschweig?

Dieser zweitägige intensive Austausch war zusammen mit allen anderen Feierlichkeiten anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Evangelischen Stiftung Neuerkerode ein ganz besonderer Höhepunkt zum Ende des Jahres. Zu Gast waren 14 nationale und internationale Referenten, die über aktuelle Entwicklung informierten und eigene Schwerpunkte respektive ihre Forschungsergebnisse eingebracht haben. Darunter beispielsweise Prof. Michael Seidel, Ärztlicher Direktor a.D. der von Bodelschwingschen Stiftungen Bethel – einer der Architekten der Medizinischen Behandlungszentren für Erwachsene mit Behinderung, kurz MZEB. Übrigens, ein solches Zentrum haben wir 2017 in Braunschweig eröffnet. Eine besondere Ehre war es auch, dass Prof. Andre Strydom vom Kings College London über Alzheimer-Demenz bei Menschen mit Down-Syndrom referierte. Die Teilnahme von internationalen Referenten wie von Prof. Strydom, aber auch Dr. Bhathika Perera und Dr. Krzysztof Krysta ist unter anderem durch die Zusammenarbeit mit der EPA, also der European Psychiatric Association, als Partner dieses Fachkongresses möglich geworden. Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle nochmals besonders.

Wie breit gefächert waren die Themen auf dem Fachkongress? 
Das Spektrum reichte vom Stellenwert des Aufmerksamkeit-Defizit-Hyperaktivität-Syndroms (ADHS) bei Menschen mit Intelligenzminderung (Dr. Bhathika Perera) bis zu telepsychiatrischen Behandlungsmethoden (Dr. Krzysztof Krysta). Darüber hinaus wurden in verschiedenen Vorträgen die Besonderheiten bei der Behandlung von Menschen mit Behinderung in der Jugend und im Alter beleuchtet. Ein weiteres spannendes und für die tägliche Praxis relevantes Thema war der Vortrag von Dr. Jörg Stockmann, der sich mit der Handlungsethik bei somatischen Fragestellungen beschäftigte. Ebenso interessant: die orthopädische Versorgung, Schmerzerkennung bei Menschen mit Behinderung sowie eine verbesserte Kommunikation zwischen Patienten und deren Umfeld durch den Einsatz spezieller Neurofeedback-Verfahren. Ein sehr breites Themenspektrum also, das erfreulicherweise auf großes Interesse gestoßen ist. Weit über 120 interessierte Kolleginnen und Kollegen hatten sich für unseren Fachkongress im Haus der Wissenschaft in Braunschweig angemeldet, um sich über neuste Aspekte der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung zu informieren und an unserer Veranstaltung zu partizipieren.

Der Fachkongress war der erste seiner Art in Braunschweig. Warum wollten Sie einen solchen in der Region ausrichten?
Im Jahr des 150-jährigen Bestehens unserer Stiftung sind wir unter dem Motto „Neuerkerode – ein Teil von uns“ in die Region gegangen, mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. Denn Neuerkerode ist ein Teil dieser Region und die Region ist ein Teil unserer Stiftung. Was vor 150 Jahren als Dorf für Menschen mit geistiger Behinderung begann, ist heute ein vielfältiger diakonischer Unternehmensverbund, der sich für Inklusion, Toleranz, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit einsetzt. Und Dank eines der Gründungsmitglieder unserer Stiftung, dem Arzt Dr. Oswald Berkhan, hat auch die medizinische und pädagogische Versorgung und Behandlung von Menschen mit Behinderung in Neuerkerode eine lange, 150-jährige, Tradition. Der Fachkongress knüpfte daran an. Die Ausrichtung dieser Veranstaltung diente dazu, dass wir uns mit führenden Experten austauschen, das Wissen in die Fläche und in die tägliche Praxis tragen und auch die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren.

Eine Bildergalerie zum Fachkongress finden Sie hier