Tag der Gemeinschaft im Marienstift

Mitglieder der Diakonischen Gemeinschaft und zahlreiche Gäste nahmen am Tag der Gemeinschaft teil, der auch gleichzeitig Abschlussveranstaltung für die zuvor stattgefundenen Film-Momente war.

Fotos: Klaus G. Kohn

Pfarrer Rüdiger Becker, Direktor der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, brachte es zu Beginn der Veranstaltung mit der Tageslosung auf den Punkt. „Herr behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen. Oder auch: Nutzen Sie den Nachmittag, um Gutes zu erzählen. Erzählen Sie von dem, was aufmuntert, was gut tut.“, sagte Becker.

Rund 70 Gäste folgten dieser Aufforderung gern. Und der Schweizer Pierre Stutz, Theologe und spiritueller Autor, trug seinen Teil dazu bei. Er regte am diesjährigen Tag der Gemeinschaft im Marienstift mit seinem Vortrag an, darüber nachzudenken, wie Lebenskunst gelingen kann. Er beschrieb, anhand eigener Erfahrungen, welche sieben Grundhaltungen helfen, sich nicht verbiegen zu lassen durch die Meinungen anderer oder durch berufliche Zwänge. Jeder Mensch könne so zu seiner eigenen Kraft finden, ist Pierre Stutz sicher. „Das Weitererzählen von ermutigenden Lebensgeschichten ist ein wesentlicher Beitrag auf einem Weg zu einer Welt, die gerechter und zärtlicher werden kann.“, sagte der Schweizer Theologe. Der leidenschaftliche Kinogänger untermauerte seine Grundhaltungen (Bleib bei dir; Du bist mehr als deine Verletzungen; Erwache zum Träumen; Spiel dich ins Leben hinein; Wachse am Wiederstand; Du darfst scheitern; Sag Ja zu deinem Weg) mit dazu passenden Film-Szenen, die er dem Publikum zeigte. Der Film „Der Club der toten Dichter“ lieferte beispielsweise zur 2. Grundhaltung „Du bist mehr als deine Verletzungen“ eine berührende Szene: Die Schüler verabschieden sich von ihrem gekündigten Lehrer, obwohl es ihnen untersagt war. Sie steigen auf ihre Pulte und rufen „oh Käpt´n, mein Käpt´n!“. Für Pierre Stutz ist das „wie eine Auferstehung! Steigen Sie doch auch mal auf einen Stuhl und sehen Sie sich das Leben aus einer anderen Perspektive an! Was hält Sie davon ab? Bleiben Sie nicht in Ihrer Opferrolle stecken, sondern überlegen Sie, wie Sie an dem Erlebten wachsen können.“ Kleine meditative Einheiten schlossen sich den Filmszenen an: Füße parallel stellen, Augen schließen, bewusst atmen. Und: Was löst die Filmszene in mir aus? Pierre Stutz ermutigte, hinter die Bilder zu schauen, um den eigenen Blick zu öffnen. Um zu erkennen, was für jeden einzelnen möglich ist.

Mit dem Tag der Gemeinschaft feiert die Diakonische Gemeinschaft den Gründungstag der Ev.-luth. Diakonissenanstalt Marienstift, der sich in diesem Jahr zum 148. Mal jährte. Anlässlich des Geburtstages zeigte die Diakonische Gemeinschaft im Gründungsmonat Mai, unter Beteiligung einiger Gesellschaften, besondere Filme. An kleinen, feinen Orten, wie der Küche in Neuerkerode, dem Gewächshaus in der Klostergärtnerei, dem Rokoko-Saal in Beienrode oder der Werkstatt in der KuBa-Halle, waren Film-Momente zu erleben. „Auf Klappstühlen zu sitzen, gemeinsam mit Bürgern, Patienten, Senioren, Filme zu schauen, das macht Spaß! Das gibt Kreativität, das regt die Phantasie an“, zog Diakonin Ruth Berger, die auch Leitende Schwester der Diakonischen Gemeinschaft ist, ihr ganz eigenes Resümee.

Der Tag der Gemeinschaft klang mit einer Abschlussandacht in der Theodor-Fliedner-Kirche aus. Mit dieser Andacht feierte Schwester Dorothea Wolf ihr 70-jähriges Diakonissen-Jubiläum in der Ev.-luth. Diakonissenanstalt Marienstift. Darüber hinaus wurden folgende Jubilare der Diakonischen Gemeinschaft geehrt: Schwester Hannelore Strzala (30 Jahre), Schwester Britta Lange-Geck (5 Jahre), Bruder Henning Stadler (5 Jahre).