Geschichte der Handchirurgie

Sterling Bunnell, aufgenommen 1950

Mit der Einführung der Asepsis und der Anästhesie im 19. Jahrhundert konnten Operationen endlich unter sterilen Bedingungen und schmerzfrei durchgeführt werden. Mit der Einführung der pneumatischen Blutleere, ebenfalls im 19. Jahrhundert, konnten selbst anspruchsvolle Operationen an den Extremitäten endlich blutleer, übersichtlich und schonend durchgeführt werden. Unter diesen Bedingungen entwickelte sich die Chirurgie rasant und explosionsartig, auch im Sinne einer zunehmenden Spezialisierung.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts waren vor allem in Amerika die ersten unverwechselbaren Konturen unseres Spezialgebietes zu erahnen. Regelmäßig und immer häufiger erschienen Veröffentlichungen zum Thema "Infektionen der Hand" und "Sehnenchirurgie der oberen Extremität". Die Geschichte der Fortschritte auf diesen beiden Gebieten wurde zur Geschichte der Handchirurgie.

Der Begründer und Vater der Handchirurgie lebte in San Francisco und hieß Sterling Bunnell (1882-1957). Er war außerdem ein wissenschaftlich anerkannter Ornithologe, begeisterter Flieger, Jäger, Zeichner, Tierphotograph und Berater des Alaska Department of Health. Seine Naturverbundenheit war so groß, daß er Landschildkröten, Leguane und selbst Alligatoren in seinem Garten hielt.

Bunnell betrachtete die Handchirurgie als eine spezialisierte Chirurgie aller Gewebe der oberen Extremität. Deshalb verlangte er von einem Handchirurgen die Beherrschung von plastisch-chirurgischen, orthopädischen und neurochirurgischen Operationstechniken. Für Bunnell begann die Hand mechanisch am Ellenbogengelenk aber dynamisch an der gegenüberliegenden Hirnhälfte.

1944 erschien sein Buch, "Surgery of the Hand", das zum offiziellen Lehrbuch der U. S. Army wurde, weltweite Anerkennung fand und wie mit einem Paukenschlag ein neues Fachgebiet ins Leben rief  -  die Handchirurgie!