Mit dem Po voran ins Leben – und das so natürlich wie möglich

Informationsveranstaltung zum Thema "Geburten in Beckenendlage" im Krankenhaus Marienstift

In 95 Prozent aller Fälle liegen Kinder bei der Geburt in der idealen Geburtslage. Diese Lage heißt vordere Hinterhauptslage: Der Kopf des Babys zeigt nach unten, das Gesicht in Richtung des Rückens der Mutter. Doch es kann auch anders kommen. In drei bis fünf Prozent der Fälle drehen sich die Kinder nicht in die ideale Position und rutschen mit dem Po voran in den Beckenausgang der Mutter. Dass dieser Fall bei den Eltern keine Angst auslösen sollte und warum eine Entbindung per Kaiserschnitt auch hier nicht zwingend erforderlich ist, erläuterte Dr. med. Branko Milkanovic seinen Zuhörern bei einem Vortrag im Großen Saal des Krankenhauses Marienstift in Braunschweig.

Einige junge Paare saßen im Publikum, auch einige schwangere Frauen. Eine Besucherin erzählte, dass sie in der 37.Schwangerschaftswoche sei. Ihr Kind werde „falsch herum“ zur Welt kommen. Milkanovic zeigte ihr und allen anderen Besuchern zunächst, welche verschiedenen Positionen der Beckenendlage es gibt. Der 52-Jährige ist langjähriger Chefarzt der Frauenklinik Eben-Ezer des Marienstifts und hat schon viele Geburten von Kindern in ungewöhnlichen Geburtslagen begleitet.

Die mit Abstand häufigste Form der Beckenendlage sei die reine Steißlage, so Milkanovic. Dabei liegen die Füße des Babys vor seinem Gesicht. Zudem gebe es die Steiß-Fuß-Lage, bei der die Beine des Ungeborenen angehockt sind. Auch könne das Baby mit den Füßen voran aus dem Mutterleib kommen, so der Mediziner, der auf weitere Mischformen verwies. Was jedoch alle Varianten der Beckenendlage verbinde: Der Durchmesser an der breitesten Stelle des Babys sei bei keiner Variante so groß, dass eine vaginale Geburt nicht möglich wäre.

Milkanovic erklärte, dass er generell ein Befürworter von natürlichen Geburten sei – auch wenn das Krankenhaus mit der Durchführung von Schnittentbindungen deutlich mehr Geld verdiene. Dass heute immer mehr Mütter zu einem Wunsch-Kaiserschnitt tendierten, um eine Geburt so kurz und schmerzlos wie möglich ablaufen oder das Kind an einem bestimmten Tag zur Welt kommen zu lassen, kann er nicht nachvollziehen. Schließlich habe die Frau die Schmerzen stattdessen nach der Schnittentbindung. „Unser Ziel ist, dass eine Mutter unser Krankenhaus glücklich und unverletzt verlassen kann“, betonte Milkanovic.

Der Chefarzt verdeutlichte an einem Modell, welche Handgriffe bei der Geburt eines Kindes in Beckenendlage Anwendung finden. Hier sei der Bracht-Handgriff eine gute Möglichkeit. Zudem könnten auch bekannte Hilfsmittel wie Zangen oder Saugglocken zur Anwendung kommen. Statt auf den Kopf würde letztere bei Beckenendlagen einfach auf eine Pobacke des Babys gesetzt.

Milkanovic klärte die Besucher über mögliche Gründe für Beckenendlagen auf. Der Chefarzt nahm ihnen die Angst vor Begleiterscheinungen wie Nabelschnurkomprimierungen, die so kurz seien, dass sie für das Kind keine Gefahr darstellten. Er wies aber auch auf Faktoren hin, die gegen eine vaginale Geburt in Beckenendlage sprechen wie beispielsweise ein besonders niedriges oder hohes Körpergewicht des Kindes, ein hohes Alter der Mutter, ein vorzeitiger Blasensprung oder eine gestreckte Kopfhaltung des Babys. Diese Faktoren seien in ihrer Gesamtheit stets abzuwägen. Am Ende spendete das Publikum dem Chefarzt für seine Ausführungen Applaus. Einige Frauen kamen in der Folge noch mit persönlichen Fragen auf Milkanovic zu, die dieser gerne beantwortete.