Über große Probleme durch die kleine Schilddrüse

Mehr als 40 Besucher waren in den Großen Saal des Marienstifts gekommen, um sich zu informieren und Fragen zu der Thematik loszuwerden.

Die Schilddrüse ist nur wenige Zentimeter groß. Trotzdem bereitet das schmetterlingsförmige Organ unterhalb des Kehlkopfes vielen Menschen Probleme. Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland weist Gewebeveränderungen an der Hormondrüse auf. Darüber hinaus wirken sich mögliche Über- und Unterfunktionen auf Körper und Psyche aus. Dr. med. Ekkehard Möbius, Chefarzt der Chirurgischen Klinik des Marienstifts, und Oberärztin Dr. Bettina Kölling klärten bei einem Informationsabend in dem Krankenhaus über Ursachen, Therapien und den Stellenwert der chirurgischen Behandlung auf.

Dabei ging es zunächst um Grundlagen und die Frage: Wie sieht die Schilddrüse aus und was leistet sie? Möbius erläuterte, dass die Drüse etwa das gleiche Volumen aufweise wie die beiden Daumenendglieder des jeweiligen Patienten. Ihre Aufgabe bestehe in der Bildung der Hormone Trijodthyronin und Thyroxin sowie in der Bildung von Calcitonin, das an der Regulierung des Calcium- und Phosphathaushalts des Körpers beteiligt ist.

Um die Hormone bilden zu können, benötigt die Schilddrüse allerdings Jod. Dieses Spurenelement wird über die Nahrung aufgenommen. Das Problem: Trotz Verbesserungen bei der Jodzufuhr in den vergangenen Jahren nimmt rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung weniger von dem Spurenelement zu sich als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefordert. Möbius erklärte, dass der Verzehr von Meeresfrüchten, Seefischen, Milchprodukten und Eiern sowie die Nutzung von Jodsalz Abhilfe schaffen könne.

Im Bezug auf Gewebeveränderungen an der Schilddrüse erläuterte Möbius die Unterschiede zwischen heißen und kalten Knoten und ging auf Zysten und Entzündungen ein. Krebsgeschwüre an der Drüse beträfen nur 20 bis 30 Personen pro eine Million Einwohner, so der Mediziner, der anschließend auf die verschiedenen Ausprägungen einer Schilddrüsen-Überfunkion (Hyperthyreose) und Unterfunktion (Hypothyreose) einging und Möglichkeiten der Diagnostik erklärte. Hierzu gehörten Abtasten, Ultraschall, Szintigraphie und Laboruntersuchungen. Eine Feinnadelpunktion wertete der Chefarzt als kritisch. Dafür könne ein guter Arzt alleine schon durch ein gründlich geführtes Patientengespräch 95 Prozent der Schilddrüsenerkrankungen diagnostizieren, sagte Möbius.

Dr. Bettina Kölling klärte die Besucher danach über Behandlungsmöglichkeiten wie die medikamentöse Therapie, die Radiojodtherapie und chirurgische Eingriffe auf. Letztere dauerten bis zu zwei Stunden, meinte die Oberärztin. Schließlich müsse der Chirurg aufpassen, den nahe gelegenen Stimmbandnerv nicht zu schädigen, so Kölling. Danach nahmen sich die beiden Mediziner Zeit für die Beantwortung von rund 20 Fragen zum Thema. Unter anderem erklärten sie dabei, dass am Marienstift 30 bis 50 Schilddrüsen-Operationen im Jahr durchgeführt würden und die Wartezeiten für Erstgespräche kurz seien.

Ein Großteil der Besucher nahm zum Abschluss des Abends die Chance war, einen Blick in die neue Zentrale Notaufnahme des Marienstifts zu werfen. Hier standen Oberarzt Markus Paul sowie Pflegedirektor Jörg Waldmann für Fragen zur Verfügung.