Wenn Eingeweide aus der Bauchhöhle rutschen

Eingeweidebrüche (Hernien) sind ein großes Problem. Mehr als 375 000 Operationen werden in diesem Bereich jährlich in Deutschland durchgeführt. Damit ist es der häufigste allgemeinchirurgische Eingriff überhaupt und hat eine hohe sozioökonomische Bedeutung.

Deshalb konnten sich Interessierte am vergangenen Donnerstag bei einer Veranstaltung im Braunschweiger Marienstift über Untersuchung, Diagnose und Behandlung von Eingeweidebrüchen informieren. Das Krankenhaus ist Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie. 

Der Begriff „Hernie“ stammt vom griechischen hérnos ab, was sich mit „Knospe“ übersetzen lässt. Definieren lässt sich eine Hernie als Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle durch eine angeborene oder erworbene Lücke in den tragenden Bauchwandschichten. Dabei können verschiedene Eingeweide wie Dünn- oder Dickdarm, Blinddarm, Blase, Eierstock oder auch Teile der Gebärmutter austreten. Manchmal ist dies von außen durch Vorwölbungen sichtbar, in anderen Fällen macht es sich lediglich durch Beschwerden bemerkbar.

Dr. med. Ekkehard Möbius erklärte zunächst, dass Hernien angeboren sein können und dann in der Regel schon im Säuglings- oder Kleinkindalter in Erscheinung treten. Andererseits könnten sie auch im Laufe des Lebens entstehen, etwa bei Übergewicht, in zunehmendem Alter, bei Störungen des Kollagenstoffwechsels oder als Folge von Erkrankungen mit erhöhtem Bauchinnendruck wie chronische Bronchitis oder Asthma Bronchiale.

Möbius machte deutlich, dass Hernien durch moderne Untersuchungsverfahren wie Computertomographie und Magnetresonanztomographie am besten diagnostiziert werden können. „Abwarten und beobachten ist dann nicht die richtige Entscheidung“, erklärte er. Denn je später die Hernie behandelt werde, desto schwerer werde es. Und es könnten sich bisweilen Komplikationen wie Einklemmungen einstellen, so der Mediziner. Oft könne man im Schwimmbad Menschen sehen, die an Hernien leiden. „Das liegt zum einen an der abwartenden Haltung einiger Ärzte, aber auch an der Angst der Patienten vor einer Operation“, meinte Möbius.

Dabei gibt es mittlerweile viele verschiedene OP-Techniken, von denen endoskopische Methoden heute Mittel der Wahl sind. Während des Vortrags bekamen die Besucher nicht nur Fotos von Patienten mit Eingeweidebrüchen zu sehen. Sie konnten auch ein OP-Video anschauen, das die Vorgehensweise bei einer Leistenhernie dokumentierte.

In dem Video konnte das Publikum genau verfolgen, wie spezielle Kunststoffnetze die Austrittslücken verschließen. „Diese Netze werden seit 35 Jahren eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass sie nicht schädlich oder krebserregend sind“, erläuterte Dr. Bettina Kölling. Die Oberärztin und Fachärztin für Allgemeinchirurgie am Marienstift ging speziell auf Leistenhernien ein und klärte auch über die Zeit nach einer OP auf. Zwei Wochen lang sollten die Patienten danach noch vorsichtig sein, damit sich das eingesetzte Netz nicht verschiebe.

Markus Paul, Oberarzt und Facharzt für Allgemeinchirurgie, referierte anschließend über Narbenhernien als Folge von Operationen, wegen denen im Jahr etwa 50 000 Deutsche operiert werden müssen. Zum Abschluss widmete sich Möbius dann noch einmal den den Zwerchfellbrüchen, bei denen sich ein kleiner Teil des Magens im Bereich der Speiseröhre in den Brustkorb ausbreitet. Häufige Folge davon: regelmäßiges Sodbrennen. Möbius verdeutlichte, dass Veränderungen im Essverhalten oder eine medikamentöse Behandlung hier bereits für Abhilfe sorgen könnten. Eine Operation sei dann nicht notwendig.