Trauern um die Opfer

In einem Gottesdienst in der Peter- und Paul- Kirche der Evangelischen Stiftung Neuerkerode wurde der Menschen gedacht, die im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktionen verschleppt und ermordet wurden.

Neuerkerodes Pastorin Marita Bleich erinnerte daran, dass in sieben Transporten in der Zeit von 1940 bis 1945 aus Neuerkerode 180 Menschen mit geistiger Behinderung „verlegt“ wurden. 125 von ihnen wurden ermordet. Schülerinnen und Schüler der Neuerkeröder Fachschule für Heilerziehungspflege verlasen während des Gottesdienstes die Namen der Getöteten. Allein bei einem Transport vor siebzig Jahren, im Frühjahr 1945 wurden 63 Frauen und Männer nach Königslutter verschleppt. Für jeden der Getöteten stellten die Neuerkeröder Fachschüler eine Blume in Vasen: „Wir haben sie nie vergessen und werden sie nie vergessen“, so eine der Schülerinnen. „Sie gehören zu uns im Dorf Neuerkerode.“ Der Direktor Neuerkerodes, Pfarrer Rüdiger Becker, sagte, es sei wichtig, dass es angstfreie Räume für Menschen mit Behinderung gebe, und dass ihnen nicht wieder ihre Würde geraubt werde. „Wir sind es den Opfern schuldig, darüber zu reden, und wir sind es den Menschen heute schuldig, daran zu erinnern“, so Pfarrerin Bleich in ihrer Dialogpredigt mit Lektor Frank Bauer. Der Psychologe aus Neuerkerode sagte, nur wenn man Verlorenes betrauere, könne Platz für Neues entstehen. Becker, der seinem Vorvorgänger im Amt des Direktosr, Joachim Klieme, dafür dankte, dass er diesen Teil der Geschichte Neuerkerodes erforscht und benannt habe, rief den Fachschülern zu, sie hätten mit ihrer Ausbildung auch den hochpolitischen Auftrag, sensibel dafür zu sein, dass niemals wieder jemand darüber entscheide, ob Leben lebenswert sei oder nicht.  Solidarisch im Gedenken für die Neuerkeröder Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktionen zeigten sich: (v.l.n.r.) Sicktes Bürgermeister Reinhard Deitmar (SPD), der Direktor Neuerkerodes, Rüdiger Becker, Pastorin Marita Bleich, Uwe Dammeier, von der Neuerkeröder Bürgervertretung, Lektor Frank Bauer und Schülersprecherin Lucia Malandrino.