20 Jahre Babykörbchen am Krankenhaus Marienstift

Das Babykörbchen an der Frauenklinik Eben-Ezer des Krankenhauses Marienstift in Braunschweig gibt es seit 2001 – insgesamt also schon 20 Jahre. Ein Grund für eine kurze Bestandsaufnahme.


„Das Babykörbchen befindet sich in einem sichtgeschützten Bereich des Marienstifts“, erläutert Pflegedirektorin Rosemarie Ölschlager. „Die Mutter kann ihr Kind dort ohne Beobachtung in ein Wärmebettchen legen und – wenn gewünscht – mit Hilfe eines Stempelkissens einen Abdruck von der Hand oder vom Fuß als Erinnerung machen.“

In den vergangenen 20 Jahren wurden insgesamt 14 Neugeborene im Babykörbchen abgelegt, 2019 waren es vier, 2020 zwei Babys.
Sobald sich die Klappe schließt, wird ein Alarm aktiviert. Das Kind wird sofort im Kreißsaal von Hebammen und Ärzten versorgt und danach in die Kinderklinik in der Celler Straße verlegt. „Nach der Fertigstellung des Neubaus Anfang 2022 können die Kinder auch wieder im Marienstift bleiben bis zur Übergabe an das Jugendamt. Das war schon früher der Fall und wir freuen uns sehr darauf, wenn die neuen Räumlichkeiten dies wieder ermöglichen“, erläutert Miriam Plischke, Teamleitung in der Frauenklinik. Die Vermittlung an Pflegeeltern erfolgt im Anschluss meist innerhalb von wenigen Tagen.

Jördis Meier, eine der Hebammen im Marienstift, hatte das Glück, während ihrer Dienste insgesamt drei Kinder persönlich in Empfang nehmen zu können. „Es ist für uns alle in der Frauenklinik eine emotionale Ausnahmesituation, wenn der Alarm schrillt und man tatsächlich ein Neugeborenes im Körbchen findet. Neben der medizinischen Versorgung geht es auch darum, dafür zu sorgen, dass die Kinder sich willkommen fühlen. Ich packe für sie zum Beispiel eine kleine Box mit gespendeten selbstgestrickten Jäckchen, Decken, einem Strampler oder kleinen Spielsachen, aber auch mit einem Brief, in dem wir alle wichtigen Daten vom Tag der Ankunft benennen und mitteilen, dass wir uns über sie gefreut haben. Aus unserer Sicht ist das ein wichtiger Aspekt für die Kinder, um später ihre Identität finden zu können.“ Manchmal legen die Mütter auch Briefe an die Säuglinge bei, die natürlich ebenfalls weitergegeben werden.

„Das Babykörbchen hilft Frauen, die sich in einer Notsituation befinden und sich – manchmal auch aus einer Kurzschluss-Reaktion heraus – nicht anders zu helfen wissen“, ist sich Meier, sicher. „Die Mütter haben natürlich die Möglichkeit, das Jugendamt zu kontaktieren, wenn sie ihre Entscheidung rückgängig machen wollen.“

In Notsituationen ist das Babykörbchen aber nicht die einzige Möglichkeit für werdende Mütter, um ihr Kind zur Welt zur bringen. „Es gibt die anonyme Geburt, bei der die Frauen zur Geburt unter Nennung eines falschen Namens in die Klinik kommen, das Kind gebären und das Haus nach der Geburt unbemerkt verlassen“, erläutert Miriam Plischke. „Bei der vertraulichen Geburt ist ein Beratungsgespräch verpflichtend und die Frauen müssen ihre Personalien angeben, die geschützt aufbewahrt werden. In diesem Fall ist es möglich, dass das Kind – wenn es das möchte – nach 16 Jahren Zugriff auf die Daten bekommt und Kontakt aufnehmen kann.“
„Auch, wenn es manchmal kritische Stimmen zu Babykörbchen gibt – aus unserer Sicht ist es eine gute Einrichtung, die unbedingt erhalten bleiben muss, weil sie das Leben der Kinder rettet und den Müttern die Sicherheit gibt, dass ihr Säugling gut versorgt wird“, so das Fazit von Chefärztin Ursula Nitsche-Gloy.
 

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