Dorferneuerung - Lebendige Vielfalt in einem inklusiven Dorf für Menschen mit und ohne Behinderung

Im Jahr 2008 ist das Dorf Neuerkerode in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen worden. Die damit verbundenen Planungen erfolgten unter folgenden Prämissen:

Jeder Mensch braucht eine Heimat. Er braucht andere Menschen, mit denen er zusammen leben kann. Er braucht einen Ort, der ihm Geborgenheit, aber auch Herausforderungen bietet. Ein Mensch benötigt Privatsphäre, wo er allein sein kann und er benötigt Bereiche, wo er Kontakt zu anderen haben kann, wie z.B. Geschäfte und Treffpunkte. Und diese Bereiche müssen so gestaltet sein, dass sie einladend sind, auch für Menschen, die nicht immer in diesen Bereichen leben, sondern zu Besuch kommen. Menschen benötigen weiterhin in diesem Ort vielfältige Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten, sowie Freizeitangebote.

Strukturelle Besonderheiten
Die besondere Struktur Neuerkerodes ergibt sich aus der Tatsache, dass hier ca. 800 Menschen mit einer geistigen und/oder körperlichen Behinderung leben. Viele von ihnen arbeiten direkt im Dorf in unterschiedlichen Werkstätten und Wirtschaftsbetrieben. Sie brauchen einen Ort zum Leben, einen Lebensraum zum Anfassen, um das Augenblickliche erfassen zu können und Einfluss nehmen zu können auf Veränderungen auf dem ihnen möglichen Niveau. Weiterhin pendeln je nach Tageszeit ca. 500 Mitarbeitende täglich nach Neuerkerode. Zusätzlich besuchen Menschen den Ort, beispielsweise um dort einzukaufen, im Dorfgemeinschaftshaus „Biermanskis“ einen Kaffee zu trinken oder im Trödel-, Kleider-, Blumen- und Bücherladen zu stöbern.

Entwicklung des Dorfes
Das Dorf Neuerkerode existiert seit 1869. Im Laufe der Geschichte des Dorfes sind immer neue Gebäude, Wege und Grünflächen hinzugekommen. Heute durchziehen parkähnliche Grünflächen an einigen Stellen den Ort, Sitzgruppen laden zum Verweilen ein und Wohngruppen gestalten teilweise ihr näheres Umfeld nach eigenen Ideen. Einige Gruppen betreiben im kleinen Rahmen Tierhaltung (Schweine, Zebus, Schafe, Vögel, Hühner und Enten)

Projektgruppe Dorfentwicklung
Seit 2007 besteht in Neuerkerode eine vom Vorstand der Stiftung eingesetzte Projektgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Neuerkeröder Bürgervertretung, Einwohnern und Mitarbeitenden, die sich mit Fragen der Dorferneuerung und Dorfentwicklung beschäftigt.  Ziel der Planungen, die von einem externen Dorfplaner professionell begleitet wird, ist eine Gesamtkonzeption, die unter Einbeziehung von Bürgern eine ganzheitliche Dorfentwicklung ermöglicht. Die bereits vorhandene Vielfalt der Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten sollen erhalten und ausgebaut werden.

- Zentrale Bereiche wie etwa der Dorfplatz, die Ortsdurchfahrt, sowie der Einfahrts- und Infobereich, wurden und werden, auch unter ökologischen Gesichtspunkten sowie dem Aspekt der Barrierefreiheit, neu- und umgestaltet.  

- Vorhandene Angebote und Strukturen (z.B. Supermarkt, Kleiderladen, Dorfgemeinschaftshaus) wurden und werden räumlich und inhaltliche weiterentwickelt sowie Arbeits- und Freizeitangebote für Dorfbewohner und Besucher geschaffen (z.B. Tierhaltung mit Streichelwiese, Gemüse- und Obstanbau). So entsteht ein dörflich geprägter Lebens- und Erlebnisraum.

- Vernetzung mit der energetischen und ökologischen Modernisierung
Seit 2006  arbeitet die Evangelische Stiftung Neuerkerode mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als Partner zudem an einem Projekt einer ökologischen und energetischen Modernisierung des Dorfes. Ziel dieses Projektes ist die deutliche Reduzierung des Energieverbrauches und den damit verbundenen Schadstoffemissionen. Auch dieses nimmt in einigen Bereich Einfluss auf die Dorfentwicklung und ist planerisch bei einer Dorferneuerung eingebunden.

Projekte im Rahmen der Dorferneuerung:
2010: Bau einer Wabebrücke
2011: Zäune, Bänke,
2012: Eröffnung des Dorfgemeinschaftshauses