Ungebunden und selbständig

Am Montag, den 9. Januar begeht Hanna Passeier ihren neunzigsten Geburtstag. Seit 81 Jahren ist Neuerkerode ihre Heimat.

Hanna Passeier kann viel erzählen. Sie erinnert sich noch ganz deutlich an den Tag, als sie von ihren Eltern nach Neuerkerode begleitet wurde: „Es war der 7. Februar 1936. Ein Freitag. Es lag Schnee.“ Und dann berichtet sie, wie sie in Scheppau, einem kleinen Dorf bei Königslutter, aufgewachsen sei. „Meine Eltern waren Landarbeiter auf dem Gut. Und an unserem Weihnachtsbaum hingen immer Schokoladenkringel.“  Sie erinnert sich noch daran, dass sie in der Dorfschule zunächst die deutsche Schrift, dann die Lateinische gelernt habe. Auch über die Veränderungen, die sie in ihrem langen Leben in Neuerkerode erfahren hat, kann sie viel berichten. Mit Beklemmung erzählt sie aus der Zeit des Nationalsozialismus in der sie die Verschleppung von Neuerkerödern erlebt hat, sie erzählt von den Wohn- und Lebensbedingungen der Nachkriegszeit, von ihrer Arbeit und Freizeit. „Wie sich doch die Zeiten geändert haben. Seit vielen Jahren habe ich mein Einzelzimmer. Hier ist es doch schön und gemütlich“, sagt sie stolz und schaut sich um. „Hier fühle ich mich wohl.“ Und dann lächelt sie: „Allerdings, einen Freund habe ich mir nie angeschafft. Ich wollte immer frei bleiben.“ Auch in ihrem hohen Alter genießt Hanna Passeier immer noch ihr Leben und ihre Selbständigkeit in Neuerkerode. Die Feste, das Kaffeetrinken im Dorfgemeinschaftshaus der Weg in die Bank oder das gemeinsame Einkaufen. Für ihr Hobby, Häkeln und Sticken bleibt auch immer noch genügend Zeit. Und - sie freut sich auf die Urlaubsfahrt im Sommer. "Ich hoffe ich bleibe so gesund, wie ich es jetzt noch bin", sagt sie.